CULTURE MAGAZINE

„WOYZECK“ von Georg Büchner

Szenenfoto aus "Woyzeck" am Staatstheater Oldenburg
Szenenfoto aus „Woyzeck am Oldenburgischen Staatstheater
© Stephan Walzl

Die Suche nach Parallelen in der heutigen Welt

In einer zeitgenössischen Interpretation eines historischen Stoffs wirft die Inszenierung von „Woyzeck“ unter der Regie von Kevin Barz im Technical Ballroom essentielle Fragen zur menschlichen Natur auf. Die Hauptfigur, Woyzeck (Fabian Kulp), ein Ausgebeuteter und Mörder, wird hier in einen modernen Kontext gesetzt, der uns dazu veranlasst, nach Vergleichen in unserer eigenen Zeit zu suchen.

Szenenfoto aus "Woyzeck" am Staatstheater Oldenburg
Szenenfoto aus „Woyzeck am Oldenburgischen Staatstheater
© Stephan Walzl

Virtuelle Realität und die Verlorenheit eines Gamers

Ein faszinierender Aspekt dieser Neuinterpretation ist die mögliche Parallele zu einem Gamer, der sich in der Virtualität verliert. Ähnlich wie Woyzeck scheint auch dieser moderne Charakter von den Kräften der Gesellschaft entfremdet zu sein, was eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Frage nach Individualität und Ausbeutung ermöglicht.

Szenenfoto aus "Woyzeck" am Staatstheater Oldenburg
Szenenfoto aus „Woyzeck am Oldenburgischen Staatstheater
© Stephan Walzl

Die Dunkelheit hinter dem Bildschirm

Ein weiterer zeitgenössischer Bezugspunkt könnte in einem traurigen Vorfall von 2020 liegen, in dem ein YouTuber seine Freundin auf den Balkon sperrte, bis sie erfror, und die grausame Tat live ins Internet übertrug. Die düsteren Schattenseiten des digitalen Zeitalters und die Verrohung des individuellen Verhaltens werden hier als moderne Herausforderungen präsentiert, die an Woyzecks brutale Realität erinnern.

Szenenfoto aus "Woyzeck" am Staatstheater Oldenburg
Szenenfoto aus „Woyzeck am Oldenburgischen Staatstheater
© Stephan Walzl

Der Verlust einer eigenen Perspektive

Eine besonders eindringliche Parallele zeigt sich in der Figur der misshandelten und ermordeten Valentina, deren eigener Blick auf die Welt vor ihrem gewaltsamen Tod thematisiert wird. Diese Reflexion über die weibliche Hauptfigur, vergleichbar mit Büchners Marie (Zainab Alsawah), hebt die Bedeutung von Perspektivenvielfalt und den Kampf gegen Gewalt und Unterdrückung in der Gesellschaft hervor.

Szenenfoto aus "Woyzeck" am Staatstheater Oldenburg
Szenenfoto aus „Woyzeck am Oldenburgischen Staatstheater
© Stephan Walzl

Gewalt, Sexismus und psychische Gesundheit

Die zeitgenössische Inszenierung im Technical Ballroom scheut nicht vor der radikalen Konfrontation mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen zurück. Gewalt gegen Frauen, Sexismus und die Herausforderungen psychischer Erkrankungen und Sucht werden intensiv in der Vorstellung thematisiert. Dieser künstlerische Ansatz lädt das Publikum ein, sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen und eröffnet einen Raum für kritische Reflexion über die Menschlichkeit in der modernen Welt.

Besetzung

RegieKevin Barz
DramaturgieVerena Katz
WoyzeckFabian Kulp
MarieZainab Alsawah
KostümeBritta Leonhardt
SounddesignDaniel Dorsch
BühnenbildThiemo Eddiks, Marthe Hensmann,
Bogdan Orel (Eddiks Grafik)
MedientechnikFrieder Gätjen
Ausruferin (im Video)Katharina Shakina
Tambourmajor (im Video)Konstantin Gries
Hauptmann (im Video)Ksch. Thomas Lichtenstein
Doktor (im Video)Rebecca Seidel

Weitere Informationen

„Woyzeck“ (Werbung) auf der Website des Oldenburgischen Staatstheater.

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